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Das Buch Mormon überzeugt

Das Zimmer

Es war Mitternacht. Der Wind heulte wie tausend Todesfeen und ließ seine Wut an den doppelscheibigen Fenstern aus. Feiner, pulveriger Schnee wurde ins Zimmer geweht, allen Bemühungen des Menschen, ihm den Eintritt zu verwehren, zum Trotz. Mitternacht, und die Polarsonne hing tief am Horizont.
Der seltsame Schleier des vom Wind gepeitschten Schnees und die nicht untergehende Sonne vermischten sich im Zimmer mit dem elektrischen Licht. An den Wänden hingen Bilder von weit entfernt gelegenen Orten und darunter ein militärischer Dienstplan. Japan winkte durch die schimmernde Rätselhaftigkeit eines handgeblasenen Fischernetzschwimmers aus Glas, der von dem nahegelegenen felsigen alaskischen Ufer stammte. Briefe aus der Heimat, die sorgfältig durchgelesen und einem sehr teuer waren, waren behutsam auf einen alten Schreibtisch gelegt worden.
In diesem Zimmer eines entlegenen Stützpunktes der U.S. Air Force auf einer Insel Alaskas erstickte das Schweigen der Einsamkeit das Brüllen des Windes. Der Leutnant lehnte sich in seinem Stuhl zurück und legte die Füße auf die Kante des verschrammten Schreibtisches. In einer Woche würde er dieses Zimmer verlassen, 8.000 km durch den Himmel zurück zu seiner Frau fliegen und den nächsten Bewohner dieses Zimmers einem Jahr des Sorgens und des inneren Wachstums überlassen. Kummer und Wachstum. Kurze Zeit nachdem er auf dieser trüben Insel angekommen war, nahm er die zusätzliche Aufgabe an, Vertreter des protestantischen Militärgeistlichen zu sein. Als solcher hatte er der Besatzung des Stützpunktes religiösen Rat zu geben und sonntags Gottesdienste für sie und die Eskimofamilien aus der näheren Umgebung abzuhalten. Der Militärgeistliche, der vier Stützpunkte zu besuchen hatte und sich persönlich einmal im Monat in Anchorage melden mußte, konnte nur jeden fünften Sonntag bei den Männern des Leutnants sein. Aber es gab Zeiten, wo die Probleme seiner Männer nicht warten konnten, und so hatte der Leutnant, dessen fürsorgerische Pflichten immer mehr zunahmen, Rat geben müssen.
Da war der Feldwebel, dessen Frau sich für einen anderen Mann interessierte, der Flieger, dessen Familie ihn verstoßen hatte, der junge Mann, der weinend gefragt hatte: „Warum mußte denn mein Sohn sterben?” Die lange Reihe von Menschen zog schweigend durch die Wolke des Kummers im Kopfe des Leutnants. Er hatte ja wirklich zu helfen versucht — Rat, das Rote Kreuz, Genehmigung eines Telefongesprächs, Gesuch an das Hauptquartier, einen Mann nach Hause gehen zu lassen. Man war für seine Hilfe dankbar gewesen, aber er wußte, wie ungenügend sie doch war. Etwas fehlte seinen Ratschlägen.
Aber er mußte all dies durchstehen. Er mußte bleiben und das Leiden mit ansehen; bleiben und erkennen, daß sich auch für ihn das Zuhause und das Leben langsam geändert hatten. Er dachte daran, wie doch seine Seele dem Zimmer glich — angefüllt mit Erinnerungen an die bittersüßen Freuden, die einmal gewesen waren und sich jetzt dort befanden, wo sie nicht länger sein konnten.
Jetzt konnte er nie mehr zu dem zurück, was gewesen war. Missionare hatten dafür gesorgt. Seine Frau, die von ihnen bekehrt worden war, hatte sich per Telefon und Brief so eifrig um seine Zustimmung bemüht, daß er sie in Liebe und Schmerz gab, worauf sie sich einer sonderbaren neuen Glaubensrichtung, Mormonismus genannt, anschloß und sich hatte taufen lassen. Isoliert, hilflos und ohne die Kraft, auf sie einzuwirken, 'hatte er die feinen Änderungen beobachtet, die sich an ihr in den wenigen Monaten ihrer Mitgliedschaft vollzogen hatten — ihre seltsame Gewißheit, daß sie die Wahrheit hatte, eine Besessenheit, ihm dies an Hand von Schriftstellen zu beweisen —, all das waren erschreckende Änderungen, die ihn durch die Angst lähmten, es könnte kein gemeinsames Band gegenseitigen Verstehens übriggeblieben sein.
Kummer. Sollte dies von jetzt an sein Leben sein? Er hatte die Schlacht mit seinen Männern geschlagen und sie verloren — die Schlacht, für die kein äußerlicher Orden verliehen wird, die Schlacht des Wozu; ihr Orden war seiner Seele aufgebrannt. Er stieß seinen Stuhl zurück und starrte auf den Nachttisch. Neben einem Stapel von Nachschlagewerken über diesen neuen Glauben, die ihm der Militärgeistliche auf Anforderung von Anchorage hatte herfliegen lassen, lag eine zerlesene Bibel und ein Exemplar des Buches Mormon, dessen neuer Einband in scharfem Kontrast zu den anderen Büchern stand. Das Buch Mormon zeigte fast keinen Verschleiß, obgleich seine Frau es ihm gut markiert vor sechs Monaten geschickt hatte. Sein Auge blieb an den Stellen haften. Was hatte er in seinen Philosophieseminaren an der Uni gelernt? „Glaube ist lebendigesbVertrauen.”
„Ich glaube ja an Gott”, sagte er zu sich selbst, „aber ich verstehe es nicht. Wie konnte meine Frau bloß den Mormonismus annehmen und einen solch großen Keil in unser Leben treiben? Unsere Eltern sind traurig, unsere Freunde werden uns verspotten,und mich hat man gedemütigt. An wen kann ich mich um Hilfe wenden? Ich soll doch führen!”
In seiner Verzweiflung fiel ihm etwas ein. Das Buch, das soviel Unruhe in sein Leben gebracht hatte, enthielt eine Verheißung:
„Und wenn ihr diese Dinge empfangt, möchte ich euch ermahnen, Gott, den ewigen Vater, im Namen Christi zu fragen, ob diese Dinge wahr sind oder nicht; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen und festem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, dann wird er euch deren Wahrheit durch die Macht des Heiligen Geistes offenbaren"(Moroni 10:4).
Solch eine wunderbare Verheißung! Doch auch welch erschreckende Verheißung! Er war das Risiko dieser Probe noch nicht eingegangen, weil er Angst vor der Antwort hatte. Sein Glaube wurde auf die Probe gestellt. Wenn es einen Gott gibt, würde dieser Gott auch antworten; wasnwürde er aber sagen, wenn er antwortete? Wenn die Antwort lautete: „Nein, die Kirche ist nicht wahr”, dann wären seine Frau und seine Kinder verloren, ohne daß er ihnen helfen könnte. Wäre sie aber „Ja”, hätte all das, was er zuvor gelernt und angenommen hatte, keinen Wert. Qual und Verheißung; die konnten nun nicht länger umgangen werden. Er kniete sich hin und betete, den Tränen ließ er freien Lauf. Draußen war es Mitternacht, doch begann drinnen ein neuer Tag.
Jetzt besteht das Zimmer nur noch in der Erinnerung. Seine vier Wände trösten oder verhöhnen vielleicht einen anderen. Doch der Leutnant ist weitergegangen. Er fand dort in jener Nacht den Weg zur Mannhaftigkeit. Auf seinen Knien entdeckte er, daß es Gott gibt. Er lernte den Zweck seines Daseins und die Schönheit des Wachsens verstehen. Gemeinsam mit seiner Frau nahm er die Fäden seines Lebens auf und verwob sie zu einem festeren Gewebe der Rechtschaffenheit und Liebe, als er es sich je zu träumen gewagt hatte, einem Gewebe, das bis ans Ende fortdauert.

EDWIN G. SAPP, Der Stern Januar 1973

9:17 AM - 18.11.2012


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